Neue EU-Gentechnik darf Bauern nicht in die Abhängigkeit von Saatgut-Konzernen treiben
,Das Europäische Parlament hat in zweiter Lesung die Verordnung über die sogenannten NGT-Pflanzen (Neue Genomische Techniken) verabschiedet. Der umwelt-, agrar- und energiepolitische Sprecher der BSW-Fraktion im Thüringer Landtag, Dr. Frank Augsten, kritisiert die Entscheidung: „Das Europäischen Parlament hat nicht nur über den Umgang mit neuen Züchtungstechnologien entschieden, sondern auch darüber, wem künftig die Kontrolle über das wichtigste Produktionsmittel der Landwirtschaft gehört: das Saatgut. Die Entscheidung öffnet dem schleichenden Einzug der Gentechnik in der Land- und Ernährungswirtschaft die Hintertür. Es drohen Verhältnisse wie in den USA und Südamerika, wo die Verbraucher beim Einkauf keine Wahlmöglichkeit haben.
Wir brauchen stattdessen eine Landwirtschaft, die innovativ, leistungsfähig und an den Klimawandel angepasst ist. Aber wir brauchen ebenso unabhängige Bauern, freie Züchtung und echte Wahlfreiheit für Verbraucher. Genau diese Grundsätze sehen wir durch die geplante Deregulierung gefährdet.“
Die neue Verordnung schafft für einen großen Teil der mit Genomeditierung erzeugten Pflanzen deutlich erleichterte Zulassungsbedingungen. Befürworter verweisen auf mögliche Vorteile wie Trockenheitsresistenz, geringeren Pflanzenschutzmitteleinsatz und höhere Erträge.
Augsten warnt jedoch vor den Folgen für die Landwirtschaft: „Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen künftig patentiert werden können, droht eine zunehmende Abhängigkeit der Landwirtschaft von wenigen multinationalen Saatgut-Konzernen. Besonders betroffen wären kleine und mittlere sowie regionale Betriebe - wir sie in Thüringen haben.
Kritisch sieht Augsten zudem die Regelungen zur Kennzeichnung: „Verbraucher müssen weiterhin selbst entscheiden können, was auf ihren Tellern landet. Wer von einer Technologie überzeugt ist, sollte keine Angst vor Transparenz haben. Eine Aufweichung von Kennzeichnungs- und Rückverfolgbarkeitsregeln untergräbt das Vertrauen der Menschen.“
Aus Sicht der BSW-Fraktion dürfe wissenschaftlicher Fortschritt nicht gegen Verbraucherrechte, bäuerliche Unabhängigkeit und regionale Wertschöpfung ausgespielt werden.
„Landwirtschaft braucht Zukunftsperspektiven – aber keine neuen Abhängigkeiten. Deshalb unterstützen wir die Forderung, Patentmonopole auf Pflanzen wirksam einzuschränken, Transparenz sicherzustellen und die Interessen von Landwirten, Züchtern und Verbrauchern in den Mittelpunkt zu stellen“, so Augsten abschließend.