Zum Erhalt des parlamentarischen Fragerechts und der Verantwortung der Exekutive

Archiv
, 13. November 2025

Die Äußerungen von Innenminister Georg Maier (SPD), wonach die AfD das parlamentarische Fragerecht missbrauche, um „gezielt unsere kritische Infrastruktur auszuforschen“, haben eine anhaltende Diskussion über Grenzen und Begrenzung parlamentarischer Kontrolle ausgelöst. Die BSW-Fraktion im Thüringer Landtag nimmt diese Debatte zum Anlass für eine sachliche Bewertung, die die verfassungsrechtlichen Grundsätze und die Funktionsfähigkeit unserer demokratischen Institutionen in den Mittelpunkt stellt.​

Stefan Wogawa, parlamentarischer Geschäftsführer der BSW-Fraktion stellt unmissverständlich klar:

„Das parlamentarische Fragerecht ist ein konstitutives Element unserer parlamentarischen Demokratie – und Grundrecht jedes Abgeordneten. Es kennt keine inhaltlichen Beschränkungen aufgrund politischer Einschätzungen oder vermuteter Motive der anfragenden Abgeordneten. Wir sehen einen gefährlichen Präzedenzfall: Die Exekutive ist nicht in der Rolle zu beurteilen, welche parlamentarischen Kontrollinstrumente legitim sind: Wer dieses Prinzip durch sein Handeln infrage stellt, greift unzulässig in die Gewaltenteilung ein und gefährdet die parlamentarische Kontrolle der Regierung.

Der Kern der Debatte wird aktuell durch die emotional aufgeladene Diskussion verdeckt:

Die Verantwortung für den Schutz kritischer Infrastrukturen und die sichere Handhabung sicherheitsrelevanter Informationen obliegt primär bei der Exekutive, in Thüringen dem Ministerium für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung (TMIKL). Wenn Anfragen im Einzelfall oder systematisch sicherheitsrelevante Bereiche betreffen, bei denen eine Offenlegung problematisch ist, dann ist es die verfassungsrechtliche Pflicht und Aufgabe der Landesregierung, bei der Beantwortung die Sicherheitsinteressen des Staates und die Funktionsfähigkeit von Regierung und Sicherheitsarchitektur gegen die grundsätzliche Auskunftspflicht abzuwägen – und bei begründetem Zweifel Auskünfte zu begrenzen. Final entscheidet ein Gericht.

Sven Küntzel, sicherheitspolitischer Sprecher der BSW-Fraktion:

„47 Anfragen zu Infrastrukturthemen in den vergangenen zwölf Monaten sind nicht per se problematisch – kritisch wäre, wenn die Exekutive bei der Beantwortung sicherheitsrelevante Details offenlegt, die besser geschützt geblieben wären.

Es darf nicht sein, dass ein Innenminister – der oberste Polizeibeamte des Landes – genau jene Ermittlungsgrundsätze missachtet, deren Einhaltung er von seinen unterstellten Mitarbeitern erwarten muss. Ein Verdacht, der nicht auf hinreichenden Beweistatsachen beruht, darf nicht öffentlich als nahezu erwiesene Tatsache präsentiert werden. Wenn jedoch hinreichende objektive Anhaltspunkte für die behauptete Spionage vorliegen, ist nach dem Legalitätsprinzip die Eröffnung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens zwingend. Auch dieses wird nichtöffentlich und ergebnisoffen geführt.“

Die BSW-Fraktion warnt:  Eine Demokratie muss es aushalten, dass auch Oppositionsparteien, deren politische Positionen man nicht teilt, ihre verfassungsmäßigen Rechte vollumfänglich wahrnehmen. Der Staat schützt sich nicht dadurch, dass die Exekutive das Parlament kontrolliert – sondern dadurch, dass das Parlament die Exekutive kontrolliert – und diese ihrer Schutzverantwortung gerecht wird.

Auch interessant

09 Apr.

Studienplatzvergabe für angehende Ärzte an Bedarf im ländlichen Raum ausrichten

Archiv – Der Mangel an Hausärzten ist in Thüringen längst Realität: Immer mehr Praxen schließen, während sich vielerorts kein Nachwuchs für eine Praxisübernahme findet. Besonders im ländlichen Raum entstehen zunehmend Versorgungslücken. Ein zentraler Ansatz ist aus Sicht des BSW die gezielte Ausweitung von Medizinstudienplätzen für Bewerber, die sich verpflichten, nach ihrem Abschluss als Hausarzt in Thüringen tätig…

08 Apr.

Rückgang der Gesamtkriminalität - Herausforderungen bleiben

Archiv – Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 für Thüringen zeigt auf den ersten Blick eine positive Entwicklung: Die Zahl der erfassten Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr um 7,0 Prozent auf 145.167 Fälle gesunken. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote leicht auf 61,2 Prozent gestiegen und bleibt damit auf einem stabilen Niveau. Dazu erklärt der innenpolitische Sprecher der BSW-Fraktion…

07 Apr.

Online-Beteiligung für den Thüringer Bürgerrat bis 12. April möglich

Archiv – Derzeit können die Bürgerinnen und Bürger bis zum 12. April Themen, Fragen und Perspektiven für den Thüringer Bürgerrat online einbringen. „Wir haben den Thüringer Bürgerrat ‘Frieden und Diplomatie’ als neues Format der Bürgerbeteiligung auf den Weg gebracht und etablieren damit eine neue politische Kultur des demokratischen Austauschs. Für uns als BSW-Fraktion ist klar: Friedenspolitik beginnt mit dem Zuhören und dem ernsthaften…

02 Apr.

Rückgang bei Kriminalitätsentwicklung in Thüringen - klare Herausforderungen bleiben

Archiv – Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 für Thüringen zeigt auf den ersten Blick eine positive Entwicklung: Die Zahl der erfassten Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr um 7,0 Prozent auf 145.167 Fälle gesunken. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote leicht auf 61,2 Prozent gestiegen und bleibt damit auf einem stabilen Niveau. Dazu erklärt der innenpolitische Sprecher der BSW-Fraktion…

  • 09 Apr. Studienplatzvergabe für angehende Ärzte an Bedarf im ländlichen Raum ausrichten

    Archiv Der Mangel an Hausärzten ist in Thüringen längst Realität: Immer mehr Praxen schließen, während sich vielerorts kein Nachwuchs für eine Praxisübernahme findet. Besonders im ländlichen Raum entstehen zunehmend Versorgungslücken. Ein zentraler Ansatz ist aus Sicht des BSW die gezielte Ausweitung von Medizinstudienplätzen für Bewerber, die sich verpflichten, nach ihrem Abschluss als Hausarzt in Thüringen tätig…

  • 08 Apr. Rückgang der Gesamtkriminalität - Herausforderungen bleiben

    Archiv Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 für Thüringen zeigt auf den ersten Blick eine positive Entwicklung: Die Zahl der erfassten Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr um 7,0 Prozent auf 145.167 Fälle gesunken. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote leicht auf 61,2 Prozent gestiegen und bleibt damit auf einem stabilen Niveau. Dazu erklärt der innenpolitische Sprecher der BSW-Fraktion…

  • 07 Apr. Online-Beteiligung für den Thüringer Bürgerrat bis 12. April möglich

    Archiv Derzeit können die Bürgerinnen und Bürger bis zum 12. April Themen, Fragen und Perspektiven für den Thüringer Bürgerrat online einbringen. „Wir haben den Thüringer Bürgerrat ‘Frieden und Diplomatie’ als neues Format der Bürgerbeteiligung auf den Weg gebracht und etablieren damit eine neue politische Kultur des demokratischen Austauschs. Für uns als BSW-Fraktion ist klar: Friedenspolitik beginnt mit dem Zuhören und dem ernsthaften…

  • 02 Apr. Rückgang bei Kriminalitätsentwicklung in Thüringen - klare Herausforderungen bleiben

    Archiv Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 für Thüringen zeigt auf den ersten Blick eine positive Entwicklung: Die Zahl der erfassten Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr um 7,0 Prozent auf 145.167 Fälle gesunken. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote leicht auf 61,2 Prozent gestiegen und bleibt damit auf einem stabilen Niveau. Dazu erklärt der innenpolitische Sprecher der BSW-Fraktion…