Ein Social-Media-Verbot ab einer bestimmten Altersgrenze greift zu kurz
,Zum Bericht der Unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ erklärt Steffen Quasebarth, medienpolitischer Sprecher der BSW-Fraktion im Thüringer Landtag: „Der Bericht der Expertenkommission bestätigt unsere Linie sehr deutlich: Kinder und Jugendliche brauchen Schutz in der digitalen Welt. Aber ein schlichtes Social-Media-Verbot ab einer bestimmten Altersgrenze greift zu kurz.
Entscheidend ist nicht nur, ab welchem Alter junge Menschen digitale Angebote nutzen dürfen. Entscheidend ist, wie diese Angebote gebaut sind. Wer Kinder schützen will, muss die Geschäftsmodelle der Plattformen in den Blick nehmen: algorithmische Feeds, Endlos-Scrollen, Autoplay, manipulative Designs, personalisierte Werbung und suchtverstärkende Funktionen.
Die Kommission schlägt deshalb richtigerweise keinen digitalen Ausschluss vor, sondern ein abgestuftes System aus Schutz, Befähigung und Teilhabe. Das ist der richtige Weg. Kinder sollen nicht allein gelassen werden. Eltern sollen nicht überfordert werden. Schulen sollen nicht noch mehr Aufgaben ohne Unterstützung aufgeladen bekommen. Und Plattformen dürfen sich nicht länger aus der Verantwortung stehlen.
Besonders wichtig ist für uns als BSW-Fraktion: Die Verantwortung darf nicht nach unten durchgereicht werden. Nicht Kinder und Eltern müssen sich an toxische Plattformlogiken anpassen. Die Plattformen müssen kindertauglich werden. Wir begrüßen deshalb die Empfehlungen zu Jugendschutz by Design und by Default, zu sicheren Voreinstellungen, zur Einschränkung algorithmischer Feeds für Minderjährige, zur Stärkung von Medienkompetenz, zu kindgerechten Online-Angeboten und zu einer datenschutzgerechten Altersprüfung.
Der Bericht ist zugleich eine klare Absage an reine Symbolpolitik. Eine Altersgrenze allein mag politisch einfach klingen. Wirksam wird Kinder- und Jugendschutz aber erst, wenn er rechtssicher, technisch machbar, pädagogisch sinnvoll und sozial gerecht umgesetzt wird.
Für Thüringen heißt das: Wir brauchen eine Debatte, die über Verbotsparolen hinausgeht. Wir brauchen starke Medienbildung, bessere Unterstützung für Eltern, klare Regeln an Schulen, handlungsfähige Jugendhilfe und eine konsequente Regulierung der Plattformen auf Bundes- und europäischer Ebene.
Der digitale Raum muss sich an den Rechten, Bedürfnissen und Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen orientieren – nicht umgekehrt.“