Drohende Schließung des Erfurter Eisschnelllauf-Bundesstützpunktes: Athleten dürfen nicht unter Druck gesetzt werden
,In Deutschland gibt es vier Bundesstützpunkte für Eisschnelllauf. Zwei sollen nach Plänen der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) offenbar ab 1. Juli geschlossen werden - vor den noch anstehenden Fördermittelgesprächen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund. Auch der in Erfurt, der zu den Olympischen Spielen im Februar in Mailand 7 der 13 deutschen Starter stellte. Die 14 Erfurter Kaderathleten, die in der Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle trainieren, sollen bis heute die neue Athletenvereinbarung unterschreiben und nach Berlin beziehungsweise Inzell wechseln.
Der sportpolitische Sprecher der BSW-Fraktion im Thüringer Landtag, Matthias Herzog, kritisiert den Umgang des Verbandes mit den Erfurter Athleten: “Die aktuellen Entwicklungen rund um den Bundesstützpunkt Eisschnelllauf in Erfurt erfüllen mich mit großer Sorge. Im Mittelpunkt darf jetzt nicht allein die Zukunft eines Standortes stehen, sondern vor allem der Schutz der Athletinnen und Athleten.
Nach den mir vorliegenden Informationen sehen sich Sportlerinnen und Sportler erheblichem Zeitdruck ausgesetzt, weitreichende Entscheidungen über ihre sportliche und berufliche Zukunft zu treffen. Gleichzeitig steht der Vorwurf im Raum, dass Nachteile bei der Spitzensportförderung oder der weiteren sportlichen Perspektive befürchtet werden müssen, wenn sie den vorgegebenen Weg nicht mitgehen. Sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, wäre ein solcher Umgang mit jungen Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern nicht hinnehmbar.
Wer Spitzenleistungen erwartet, muss seinen Athletinnen und Athleten Vertrauen und Planungssicherheit geben – nicht Unsicherheit und Druck. Der Bundesstützpunkt Erfurt gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Standorten des deutschen Eisschnelllaufs. Geplante Strukturveränderungen müssen deshalb nachvollziehbar, transparent und anhand objektiver sportfachlicher Kriterien begründet werden. Ebenso selbstverständlich ist die Einbeziehung der Athletinnen und Athleten, der Landesverbände und der Olympiastützpunkte.
Ich begrüße ausdrücklich, dass Thüringens Sportminister Stefan Gruhner den Deutschen Olympischen Sportbund bereits aufgefordert hat, seiner Steuerungsverantwortung gerecht zu werden und auf einen transparenten Entscheidungsprozess hinzuwirken. Diesen Appell unterstütze ich ausdrücklich.
Ich fordere den Deutschen Olympischen Sportbund und die Verantwortlichen der DESG auf, bis zur vollständigen Klärung der offenen Fragen keine unumkehrbaren Strukturentscheidungen zu treffen. Die Athletinnen und Athleten müssen darauf vertrauen können, dass ihre Zukunft auf der Grundlage fairer Verfahren und objektiver Kriterien entschieden wird – nicht unter dem Eindruck zeitlichen und persönlichen Drucks.”