Es gibt dringenden Handlungsbedarf, die Rahmenbedingungen für Pflegefamilien zu verbessern
,Aktuell wachsen rund 2.000 Thüringer Kinder in Pflegefamilien auf, wo sie tagtäglich rund um die Uhr Geborgenheit, Stabilität und neue Lebensperspektiven erhalten. Doch das System der Pflegekinderhilfe steht vor massiven Herausforderungen. Jugendämter und Experten schlagen unisono Alarm: Die Gewinnung neuer Pflegeeltern gestaltet sich zunehmend schwieriger – und das bei gleichzeitig steigendem Bedarf. Deshalb hat die Landesregierung gestern im Plenum einen Antrag eingebracht, mit der Forderung nach einer umfassenden Betrachtung der aktuellen Situation der Pflegekinderhilfe in Thüringen. Ziel ist es, bestehende Strukturen, Unterstützungsangebote und Rahmenbedingungen zu bewerten sowie mögliche weitere Handlungsbedarfe zu identifizieren.
Anke Wirsing, familien- und jugendpolitische Sprecherin der BSW-Fraktion, erklärt dazu: “Es besteht dringender politischer Handlungsbedarf, um die Rahmenbedingungen für Pflegefamilien im Freistaat grundlegend zu verbessern. Die Kinder haben oft schwere Vernachlässigung, Gewalt oder traumatisierende Verluste durchleben müssen. Sie brauchen weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Teller – sie brauchen ein echtes, liebevolles Zuhause. Die Realität im Freistaat zeigt jedoch eine deutliche Schieflage: Aktuell sind in Thüringen fast doppelt so viele Kinder in stationären Einrichtungen untergebracht wie in Pflegefamilien.”
Die BSW-Fraktion setzt sich daher entschieden für eine Stärkung familiärer Strukturen ein. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen eindeutig, dass ehemalige Pflegekinder weitaus häufiger sicherer Bindungen entwickeln als Kinder, die in Heimen groß werden. Solche stabilen Bindungen und die nachweislich längere Verbleibedauer in Pflegefamilien bilden das Fundament für psychische Stabilität, schulischen Erfolg und echte gesellschaftliche Teilhabe.
“Heime und Wohngruppen leisten im Freistaat ebenfalls unverzichtbare Arbeit, doch eine professionelle Betreuung im Schichtdienst kann intakte familiäre Beziehungen nur begrenzt ersetzen”, so Wirsing abschließend.